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Kopenhagen – die Stadt des Schönen und der Schönen

26. Mai 2014

Reisen bildet! Das wussten schon die alten Ägypter (oder waren es die Römer oder Spanier oder Friesen? Wer auch immer, sie hatten Recht!)

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Mitte Mai war es wieder einmal Zeit für eine Expedition ins Unbekannte. Neben meinem treuen Gefährt, gefertigt von fleißigen Händen in der Emdener Hafengegend, begleiteten mich wieder einmal zwei bezaubernde Wesen des anderen Geschlechts. Ausgerüstet mit dem, was man im kalten Norden Europas so benötigt (welcher in vielerlei Hinsicht bei weitem nicht so kalt ist, wie ich angenommen habe) und Proviant für die Reise über bislang unbekannte Autobahnen startete unser kleiner Forschertrupp mit den ersten Sonnenstrahlen des noch jungen Tages. War es die Neugier? War es der Drang, die so wohlgekannte Heimat hinter sich zu lassen? Wer weiß das schon! Jedenfalls schluckte mein braver Lastesel Meile um Meile des grauen Asphaltbandes in atemberaubendem Tempo, untermalt von dem beruhigenden Summen des Vierzylinders vor mir und dem entspannten Atmen meiner Begleitung neben, bzw. hinter mir.

Schneller als erwartet kam die erste der nordischen Eingeborenen in Sicht. Trotz der Sprachbarriere haben wir uns sofort verstanden. Ohne jetzt protzen zu wollen, aber meine Sprachfertigkeit hat mir wieder einmal gute Dienste erwiesen. Ich erkannte gleich, dass ihre erhobene Hand nicht als freundliche Grußformel, sondern vielmehr als Zeichen zum Anhalten gedacht war. Die Freigabe zur Weiterfahrt erfolgte schnell, bis zur Freigabe des unbeschränkten Gaspedals sollte es noch ein paar Tage dauern. So fremd das Land theoretisch auch sein sollte, so bekannt war uns die Landschaft aus der norddeutschen Tiefebene. Einzig der durch Schilder stark begrenzte Vorwärtsdrang erinnerte mich immer wieder daran in der Fremde zu sein. Ein kleines, aber bemerkenswerten Details fiel meiner wunderhübschen Begleitung bei einer der zahlreichen Außenmissionen zur Wiederherstellung des körperlichen Wohlgefühls auf. Die Tafeln, auf denen die Einheimischen in ihrer merkwürdigen Sprache ihre Speisen anboten anboten, zeigten Zahlen, die uns zunächst glauben machten einem Aprilscherz aufgesessen zu sein. Dank unserer technischen Ausstattung  wurde uns schnell klar, dass die Preise der Dänen Tränen in unsere Augen drücken, weil sie a) umzurechnen und b) für unsere Geldbeutel unverschämt hoch sind. Diese Tatsache wurde mit später auf sehr schmerzliche Art bewusst.

Nach wenigen Stunden erreichten wir den Übergang über ein großes Gewässer. Weder ich noch meine Begleiterinnen hatten uns im Vorfeld über die seemännischen Qualitäten der dänischen Eingeborenen informiert, so dass wir das Risiko einer Schiffsüberquerung nicht eingehen wollten. Offensichtlich ging es den Einheimischen ebenso und so nutzen wir wie viele andere auch das monumentale Bauwerk über den großen Belt. Die Hälfte meiner Begleitung bereitete sich durch eine Tiefenmeditation auf die Abenteuer der nächsten Tage vor. Leider verpasste sie dadurch den Anblick dieser mächtigsten Brücke ihrer Art in Europa.

Der Rest der Anreise verlief recht ereignislos. Weniger ereignis- als vielmehr ergebnislos verlief unser Versuch, im dem Singsang aus dem Rundfunkempfänger so etwas wie ein System zu erkennen. Es würde uns schwerfallen, in der Eingeborenensprache zu kommunizieren.

Bei der Begrüßung in der nicht von uns gewählten Unterkunft hatten wir das erste richtige Zusammentreffen mit einer blonden Eingeborenen. Die von uns befürchteten Störungen in der verbalen Kommunikation waren (so viel sei schon hier verraten) völlig ohne Anflug einer Grundlage. Sowohl die uns empfangende Dänin als auch die ebenso tätige Lobby machten einen durchaus als attraktiv zu nennenden Eindruck.

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Die später folgende Erkundung der Schlafhöhle blieb hinter den vorgenannten Eindrücken weit zurück, bot neugierigen Forschern wie uns dennoch ausreichend Einblick in die innovativen Dekoideen und den subtilen Humor skandinavischer Gasthausbetreiber. Die Hälfte meiner Entourage suchte gleich nach der Ankunft den Austausch mit gleichdenkenden Fremdlingen, worauf ich in einem späteren Eintrag noch sehr genau eingehen werde. Dem geneigten Leser wird empfohlen die Einträge auf diesen Seiten zu verfolgen, da noch drei bis sieben bemerkenswerte Begebenheiten geschildert werden. A propos Begebenheiten! Wir begaben uns zur erwähnten Wohnhöhlenerkundung und als erstes trafen wir auf den dänischen Humor, dann uns der Schlag. Die sich laut Beschriftung hinter einer Schranktür befindliche Kühleinheit für Getränke und Lebensmittel glänzte durch Abwesenheit. Ein Schabernack dänischer Art! Abwesend war offensichtlich auch der Arbeitseifer der ortsansässigen Wohnhölheninstandsetzer. Das weitere Wochenende hinterließ aber durchaus den kurzen, wenngleich falschen, Gedankenblitz, der Staubkragen an Lampenschirmen sei eine skandinavische Dekoidee. Denn, so haben wir später gelernt, der Däne an sich liebt es sich hübsch einzurichten.

Das weitere Wochenende gestalteten wir mit der Erkundung ortstypischer Attraktionen. Unfassbar für mein kleines Forscherteam war zum einen die Tatsache, dass die Hauptstadt des nördlichen Nachbarn eine Zusammenrottung der verschiedensten Schönheiten ist. Unsere zerebralen Fähigkeiten waren von den Anblicken der Fassaden und den Menschen hoffnungslos überfordert. Hinter jeder Ecke entdeckten wir neue Dinge, die uns ein „ohhhhh“ entlockten!

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Die andere unfassbare Tatsache ist der Umstand, selbst geringste Einheiten Nahrungsmittel in fester sowie in flüssiger Form nur gegen ein Tauschgut zu erhalten, welches in unserer Heimat ausgereicht hätten, mehrere Familien über die Feiertage zu versorgen. (diese winzige Übertreibung sei mir gestattet!) Eine besonders schönes Exemplar eines Cafés, ungeachtet aller Kosten, fanden wir auf Empfehlung. Meine Begeisterung für die dort gereichten Macrons wurde nur noch von den Gefühlen über die Schokoladentorte übertroffen.

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Wie wir kurze Zeit nach unserem ersten Besuch im „Royal Smushi Café“ feststellten, waren wir definitiv nicht die ersten Forscher, die die Ur-Enkel der Wikinger in freier Wildbahn beobachten wollten. Dies gab uns die Gelegenheit unter anderem ein sächsisches Forscherteam zu beobachten, die in ihrem siebenminütigem Zeitfenster die einzige Schönheit auf ihrer Speicherkarte festhielten, die keinerlei Anstalten machte, ihr Aussehen den aktuellen Trends anzupassen.

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Dem Herdentrieb folgend und der Sorge gehorchend ein spektakuläres Abbild nicht gemacht zu haben, nahm ich mir die Zeit, ganz ungestört und in Ruhe meine Kamera schussbereit zu machen und die ebenso kühle wie schweigsame Schönheit auf den lichtempfindlichen Sensor zu bannen. Zeit und Ruhe sind in diesem Zusammenhang eher unpassend, da im regelmäßigen Rhythmus ein neuer Besucher als Beweis seiner Anwesenheit in einer der schönsten Städte , denen ich meinen Besuch gegönnt habe, seine eigene Person mit der Meerjungfrau abgelichtet wissen wollte. Tatsächlich musste ich das nanosekundenwinzige Zeitfenster des Besucher-Wechsel-Dich-Spiels nutzen, in dem kein teutonischer Eroberer dem Standbild meiner Fotografenwahl zu Nahe kam.

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Die Anwesenheit ganzer Busladungen internationaler Besucher zeigte uns, dass es Neuland nur zu entdecken gäbe, wendeten wir uns anderen Interessengebieten zu. So verlagerten wir unseren Forscherdrang auf die Befragung einer ganz besonderen Spezies der Digital Natives.

Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!

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From → Reisen

3 Kommentare
  1. Toll!!! Toll!!! Toll!! Und schön, dass einige dieser Fremdlinge gleich Freunde geworden sind 😉 Anne lässt Euch grüßen! Ich freu mich schon so auf mehr!

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