Skip to content

Blogger sind einsam und langweilig

22. Juni 2014

Werte Leser,

an dieser Stelle werde ich mich bemühen, die in der Überschrift behaupteten und zu Recht völlig unbekannten, weil bislang noch niemals aufgestellten Thesen zu widerlegen.

Kopenhagen ist ja schon als Ort an sich und zu dem als Hauptstadt unseres Nachbarlandes eine Reise wert. Lassen wir mal den Umstand der etwas kostspieligen Parkraumbewirtschaftung und der exorbitanten Lebenshaltungskosten außer acht, ist Kopenhagen schon recht brauchbar. Richtig irre wird es aber erst, wenn eine Horde von Internetautoren eine Zusammenkunft feiert, um aus dem Schatten ihrer Bilder und Texte in das Licht des wahren Lebens zu treten und die teilweise lange bestehenden Freundschaften zu pflegen, neue zu beginnen und sich in diversen Workshops Tipps und Tricks für einen gelungenen Blog (Eintrag/Post) anzueignen. Dieses Zusammentreffen hat auch einen Namen: „The Hive“ oder auch „European Blog Conference“. Damit wäre Teil 1 der zweistufigen Thesentheorie zerlegt. Blogger kennen viele Leute aus dem In- und Ausland. Wobei bei einer europäischen Bloggerkonferenz ziemlich schnell klar sein sollte, dass das jeweilige Inland ebenso variabel wie das dazugehörige Ausland ist. Bisweilen sind die beteiligten Länder in einer einzigen Person versammelt, was den zweiten Teil meiner nie geäußerten Vermutung als Irrtum der unbedeutenden Art entlarvt.

Um dem Wirrwarr der vertretenen Sprachen Herr zu werden schien es wie ein ungeschriebenes Gesetz, beinahe ausschließlich in der Mundart der britischen Inseln zu kommunizieren. Unter Umständen führte es dazu, dass zwei sich bis dahin völlig Fremde erst nach stundenlangen Gesprächen begriffen, dass sie sich durchaus auch in der Sprache ihres gemeinsam Heimatlandes hätten unterhalten können. Sei’s drum. Nebenbei bemerkt gab es auch Treffen der wirklich beeindruckenden Art. Neben der Organisatorin dieses Events sind mir persönlich Menschen begegnet, für die der Begriff „umwerfend“ erfunden worden ist.

Da wäre zunächst die Virtuosin der bildlichen Darstellung von Ausrüstungsgegenständen moderner Menschenwelpen. Sämtliche Pixel auf einem Chip erröten vor Aufregung, wenn sich ihr Auge dem Sucher nähert. Leider genügt mein Wortschatz nicht, um ihre Arbeit zu beschreiben, weswegen ich ebenso schlicht wie ergreifend nur auf ihren Blog verweisen möchte: littlestarblog

Aus der eher dem leiblichen Wohl zugewandten Ecke trat ein anderes Bloggerexemplar auf, die man am einfachsten mit dem Wort „süß“ beschreibt. Nicht so ein cola-light-süß, das einen stevia-artigen, merkwürdigen Nachgeschmack hinterlässt. Es ist mehr so eine Honig-Karamell-Süße, die einem ein verzücktes Lächeln auf die Mundwinkel zaubert. Eine Suche auf dem wohl bekanntesten Videoportal nach „Anne’s kitchen“ (zur Not tut’s auch eine Anfrage bei der Suchmaschine ihres Vertrauens) und ein paar Minuten ihrer Sendung werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebendieses Gefühl bei jedem Betrachter hinterlassen.

Darüber hinaus gibt es ja noch die kleine große Königin der Dekoration floralen Ursprungs. Bedingt durch ihre Talente und ihren besonderen Geschmack beschränkt sie sich aber nicht nur auf die besondere Darstellung speziell arrangierter Blüh- und sonstiger Pflanzen, sondern sucht auch rund um die Welt nach dem besonderen Anhängsel für die Frau, welches Mann ihr bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Geschenk zukommen lassen kann, so dass Frau das passende Accessoire zu ihren Outfits bekommt.  Zum stöbern geht es hier lang: Stilzitat

IMG_3943

Eines der Glanzlichter dieser Veranstaltung war allerdings die Eröffnungsfeier (um im Sprachgebrauch des Wochenendes zu bleiben: „Kick-Off“) im Ausstellungsraum („Showroom“) der Firma Muuto. In der womöglich zutreffenden Annahme, dass der zahlreich versammelten Leserschaft der Name der Firma etwa so viel sagt, wie mir am Anfang des Jahres, will ich versuchen es kurz zu erklären. Muuto ist eine der bekanntesten Möbelfirmen Skandinaviens, die sich auf das Können lokaler Designer spezialisiert hat. Na ja, also nicht ausschließlich lokaler Designer im Sinne von „aus Kopenhagen stammend“ oder „zumindest in der Nähe der Hauptstadt Dänemarks geborener“ sondern, wie mir Lina, die scheinbare PR-Chefin der Firma, erklärt hat, Designer, die in Skandinavien studiert haben und den Stil skandinavischen Wohngefühls beherrschen und verkörpern.

_MG_9038

Jetzt mag man sich ja fragen, worin genau dieses Wohngefühl besteht. Fragte ich auch und zwar erst mich und dann Lina. Mein Eindruck, skandinavische Möbel sind a) im zerlegten Zustand gut zu transportieren, b) erst daheim in den finalen Zustand zu bringen und c) immer mit dem Erwerb stearinhaltiger Lichterzeuger (mit und ohne olfaktorischer Belästigungsstoffen) verbunden war ziemlich weit von der Wirklichkeit entfernt. In Kenntnis der wirklichen Ansätze, kombiniert mit den Erfahrungen dänischer Speisekarten (also vielmehr mit den darauf verzeichneten Preisen) wollte meine Hand zu einer Bewegung ausholen, die im allgemeinen als „hätte ich auch selber drauf kommen können“ gedeutet wird (um die multilinguale Ebene nicht zu vernachlässigen, streue ich kurz eine fremdsprachliche Adaption ein: „Face palm!“). Im Grunde ist es ganz einfach: Skandinavier sind nicht mit Dagobert Duck verwandt und können sich dementsprechend häufige Ausflüge mit ihren Freunden in Lokalitäten ihrer Stadt nur bedingt leisten. Stattdessen lädt man sich halt gegenseitig ein, hält ein Schwätzchen, trinkt den mitgebrachten Selbstgebrannten und singt alte nordische Weisen. Kombiniert man das noch mit dem Wissen über die doch eher zu Depressionen gereichenden Lichtverhältnisse außerhalb der Sommersaison, so wird klar, dass zumindest das Heim eines Nordmannes ein warmes und angenehmes Ambiente bieten sollte. Weit ab von den leicht zu verpackenden und kantigen Billies und Malms dieser (Wohn-)Welt! Meine Entzückung in dieser Firma zu sein ist aber dadurch noch nicht einleuchtend zu erklären. Verstehen kann man es wahrscheinlich erst, wenn man sich vorstellt, man würde von der Firma Wiesmann nach Dülmen eingeladen, weil man für eine Schülerzeitung schreibt. (Liebe Blogger- und innen: Nein, ein Blog ist bestimmt keine Schülerzeitung, aber anders wusste ich meine Begeisterung nicht besser zu erklären)

 

_MG_9051

Das Wochenende bestand aber nicht nur aus Nachhilfe in skandinavischem Möbelbau, sondern für mich persönlich aus aus der Verkostung dänischer Brauereierzeugnisse in der Version „Classic“ und „Nordic“. Das, was die Jungs von Carlsberg üblicherweise produzieren kommt dem, was ein Dortmunder unter Bier versteht schon sehr nah. Ganz besonders, wenn das Getränk eisgekühlt, kostenlos und auf einer Terrasse über den Dächern von Kopenhagen serviert wird. In einer solchen Situation verzeiht man gerne den etwas eigentümlichen Geschmack dieser als Aperitif gut geeigneten Erfrischung. Unverzeihlich hingegen war die Probe Nummer zwei. Unter dem Begriff „Nordic“ versuchen die Braumeister so eine Art Autofahrerbier mit nur 0,5 % Alkohol zu etablieren. Autofahrer werden dies bestimmt gerne annehmen, da sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit höchstens eine halbe Flasche herunter bekommen und danach auf das identisch schmeckende und deutlich preiswertere Leitungswasser zurückgreifen werden. Ob es sich wirtschaftlich um einen ebenso großen Wurf wie aus verkehrssicherheitstechnischer Sicht handelt bleibt indes mehr als fraglich.

IMG_3945

The Hive besticht aber nicht nur mit einem Rahmenprogramm, das seinesgleichen sucht. Auch die Vorträge erhellen den vor lauter Informationen etwas vernebelten Bloggerverstand. Besonders die bereits erwähnte Anne hat in ihrer unnachahmlichen Art aufgezeigt, was aus einer Idee, Ehrgeiz, Mut und Kontakten so werden kann. Für mich ist spätestens durch sie klar geworen: The Hive 2015, ich bin dabei!

IMG_4014

Advertisements

From → Reisen

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: