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Das Universum spricht…laut und deutlich

4. Januar 2015

Im Leben eines Mannes gibt es bemerkenswerte Ereignisse. Grundsätzlich sind da die Ersten ihrer Art zu nennen: Das erste Bier, der erste Rausch, die erste Freundin, das erste Auto, die erste Exfreundin (nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge, obgleich durchaus vorstellbar)

Ohne Frage hinterlassen die meisten ersten Male einen bleiben Eindruck beim Mann. Bezüglich des Rausches auch bei, oder schlimmer noch, auf anderen Menschen. Damit wäre der Punkt Exfreundin auch erklärt, ohne näher auf Details eingehen zu wollen. Die Beteiligten an dieser Erfahrung werden sich zweifelsohne an jede Einzelheit erinnern (wobei ich bei dem männlichen Part zu Recht skeptisch bin). Nichtsdestotrotz gibt es auch das erste, zweite ggf. sogar dritte Mal, welches von dem Teilnehmenden bis zur totalen Ignoranz unbemerkt bleibt. Mitteilungen des Universums gehören definitiv in diese Kategorie. Beispielsweise dieser kleine zwickende Gedanke, das nächste Bier könnte die Verfassung derart aus der Bahn werfen, dass der Abend ein ungewolltes Wiedersehen mit den Arbeiten der Fachkraft für Systemgastronomie bereithalten könnte. Wenn das Trinken dieses Bieres als Kardinalfehler zu sehen ist, so ist die Nichtbeachtung der Botschaft, dieses zwickenden Gedanken, in der Steigerung als päpstlich anzusehen.

Es kommt aber die Zeit, in der es dem Universum auffällt, dass es Exemplare auf dieser Welt gibt, die mit kleinen Hinweisen eher schlecht zurechtkommen und auf diesem Auge quasi taub sind. Jetzt wäre das Universum nicht das, was es ist, wenn es nicht auch etwas deutlicher mit Ratschlägen zur weiteren Lebensgestaltung um sich werfen würde. Auch ich gehöre zu den Menschen, bei denen das Universum bisweilen jede Zurückhaltung vermissen lässt und das zarte Wispern gutgemeinter Hinweise zu einem infernalischen Geschrei wird. Alles in der Hoffnung, der so bedachte möge doch endlich die guten Absichten und die daraus folgenden Vorteile für den weiteren Lebensweg erkennen. Eben jenes passierte mir, als ich auf die ungemein törichte Idee kam, ein alternatives Transportmittel auszuprobieren.

Meine Erfahrungen mit schienengebundenen Massentransportmitteln als bescheiden zu bezeichnen, ist eher als euphemistisch zu sehen. Im Grunde kennen wir uns nur von flüchtigen Begegnungen an Übergängen die mein natürliches Terrain aus Asphalt doppelspurig schneiden. Ungeachtet dieser Tatsache buchte ich ein Billet über die Internetpräsenz des ehemals einzigen und bis heute größten Arbeitgebers streiklustiger Arbeitnehmer. Obgleich sich die Bahn nicht für die Einhaltung vereinbarter Zeiten einen Namen gemacht hat, traf ich zur Sicherheit eine halbe Stunde vor der angekündigten Abfahrtzeit ein. Nur um mittels der verbauten Anzeigetafeln darüber informiert zu werden, dass sich die Ankunft des von mir gewünschten Zuges um zunächst fünf Minuten verzögern würde. Ich hatte Verständnis! Wenn ich mich so umsah, an diesem Treffpunkt lokomotiver Reisen konnte ich verstehen, dass es der Zugführer nicht so eilig hatte einzutreffen. Spätestens die dritte unverständliche Ansage, die in meinem untrainierten Gehör als Aufzählung deutscher Gleisknotenpunkte ankam und nach meinem Empfinden keinerlei Nutzdaten enthielt, hätte mir den Fehler einer Bahnreise bewusst machen können. Tat sie aber nicht. Ich sah noch einmal auf die Anzeigetafel. Die Verzögerung belief sich inzwischen auf zehn Minuten. Durch die Medien in der Vergangenheit ausreichend über die Raum-Zeit-Wahrnehmungsfehler der Bahn informiert besorgte ich mir einen Kaffee und hatte Verständnis.

Nach einigen Zigaretten in der „Smoker-Zone“ (wer auch immer auf die Idee kam, ein gelbes Quadrat sei ein Raucherraum, hat in den subduralen Räumen noch eine Menge Entwicklungspotential), traf mit beeindruckender Gelassenheit der Nachfahre von Stephenson’s Erfindung ein. Diese Gelassenheit hätte mich ein weiteres Mal zweifeln lassen sollen, ob dieses Verkehrsmittel wirklich eine gute Wahl war! Tat es aber nicht.

Sei’s drum, ich war da, der Zug war da und sogar ein Lokführer war da. Alles vorhanden, es kann losgehen. Dachte ich zumindest! Nachdem ich zwar nicht auf dem von mir reservierten, dennoch freien Gestühl Platz genommen hatte, informierte eine Stimme, die der Sprechweise nach zu urteilen zur Mensch gewordenen Filmfigur des Spuck aus Traumschiff Surprise gehörte, mich und meine Mitreisenden darüber, dass es zu einem schwerwiegenden Oberleitungsschaden gekommen sei und sich unsere Abfahrt verzögern würde. Der Lokführer warte auf einen neuen Fahrplan weil er eine Umleitung fahren müssen. Mein Gedanke, mit Zug, Lokführer und Reisenden könne eine solche Fahrt beginnen scheint mir heute sehr naiv.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzt sich der Zug endlich in Bewegung, nur um bei allen Möglichen und Unmöglichen Gelegenheiten wieder zum stehen zu kommen. Unser Bahnbegleitoffizier Spucky hielt uns dafür permanent auf dem Laufenden, dass auch er nicht die Spur eine Ahnung hätte, warum es zu dem einen oder anderen Stop kam. Bei jeder Durchsage stellte er auch seine englische Sprachkenntnisse zur Schau, die meinen Englischlehrern eine positivere Benotung als „noch mangelhaft“ selbst unter dem Eindruck einer vorgehaltenen Waffe unmöglich gemacht hätten. Mit einem genäselten „ssänk ju for schusink Deutsche Bahn“ verabschiedete er uns alle zurück in unsere Unwissenheit angesichts der häufigen Stopps. Für mich als gelangweilter Beobachter stellte sich die Frage, ob sich der Lokführer nach dem Weg erkundigt, oder wir die Regionalbahnen passieren lassen, damit wenigstens EIN Zug pünktlich kommt. Unsere Verspätung belief sich ja inzwischen auf ein Stunde, also kam es auf ein paar Minuten mehr oder weniger nicht mehr an. Ich hatte Verständnis.

Ende Teil 1

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From → Reisen

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