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Schön ist nicht immer schön

17. März 2015

Es gibt ja so Dinge, die sind allgemein als schön anerkannt. Zweifelsohne sind darunter auch solche, bei denen übereinstimmend 99 von 100 Befragten ein durchaus positives Empfinden allein bei der Erwähnung bekommen. Lichterketten in der Dunkelheit beispielsweise. Wer als Leser jetzt stutzig wird und wessen Hirnwindungen eine wilde Tarantella aufführen, weil jedwedes Verständnis verlustig geht, ob dieses einen Grinch, dem Lichterketten kein frohlocken entlocken, dem sei offenbart: Nicht alles was schön leuchtet, ist der Begeisterung wert!

Fraglich, was den Autor zu dieser Feststellung treibt? Die Antwort will ich nicht lange schuldig bleiben!

Bekanntermaßen ist meine bevorzugte Art des Ortswechsels innerhalb oder auf einem Verbrennungsmotor angetriebenem Fahrzeug. Hersteller, steuerliche Klassifizierung oder Farbgebung des Unterbodens spielen dabei einer eher marginale Rolle. Im angelsächsischen Sprachraum würde man mich wahrscheinlich als „Petrol-Head“ bezeichnen. Dem lateinisch zugewandten Menschen mit Forschertrieb ginge unter Umständen ein Begriff durch sein Gedänk wie „Homo Sapiens Automobilaris“. Oder so ähnlich! Sicher ist, dass asphaltbedeckte Landschaftsabschnitte mit profilblechernen Randbegrenzungen und blauen Orientierungstafeln als mein natürlicher Lebensraum zu bezeichnen sind. Jahrelanges Training unter verschiedensten klimatischen Bedingungen und meine grenzenlose Bescheidenheit haben mich zu der Überzeugung gebracht ein guter, nein, ein verdammt guter Fahrer zu sein. Irre gut! Echt tierisch! Genau dieser Umstand, verbunden mit einer an Sherlock Holmes erinnernden Beobachtungsgabe machen mich quasi zu DEM Experten für rollende Verkehrshindernisse.

Was, so fragt sich der geneigte Leser, hat dies alles jetzt mit nicht aufkommender Freude angesichts einer Lichterkette zu tun? Man folge mir auf eine mentale Bilderreise. Dazu benötigen wir: Dunkelheit, Landschaft mit Hügeln, eine Autobahn und ein paar Autos mit (hoffentlich) funktionierender Beleuchtung. Für Leser, denen eigene Erfahrungen lieber sind als Phantasiereisen auf dem heimischen Sofa, sei als Hinweis für einen eben solchen Ort die A1 zwischen Köln und Dortmund, meinethalben auch die zwischen Dortmund und Köln genannt. Sobald sich die Einzelteile zu einem gedanklichen Gemälde formiert haben erscheint auch wie von Geisterhand die wunderschöne Lichterkette. Rot auf der rechten, gelblich-weiß auf der linken Seite. Im Allgemeinen sollten sich ja die roten Lichter in die gleiche Richtung bewegen wie das eigene Fahrzeug. Im Falle einer diametralen Fahrtrichtung ist es angeraten, diese oder die Seite zu wechseln. Andernfalls könnte es zu bleibenden Eindrücken kommen, welche oftmals nur schwerlich auszubügeln sind. Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir eine Begebenheit ein, die ich hier unter keinen Umständen erzählen werde, sondern geschickt die Aufmerksamkeit auf mein eigentliches Thema lenke. Die weißlich-gelben Lichterketten spielen in meinem automobilen Adrenalinhaushalt eine so geringe Rolle, dass ich sie hier und jetzt einfach ignorieren werde. Aufregender (und das in mehrfacher Hinsicht) sind da schon die roten Laternen. Eigentlich mehr deren Verteilung auf den Fahrbahnen. Gerade auf Autobahnen in bergischem Land kann man bei Dunkelheit die doch eher unsinnige Nutzung der 3 Fahrspuren beobachten. Rechts ein paar Laster, links ein paar Renner, blockiert von Gelegenheitslinksfahrern, die die größte Pest auf Rädern, sozusagen mobile Asphaltgeschwüre mit Ansteckungsgefahr, zu überholen suchen. Ich glaube, jeder kennt diese Situation. Mittelspurnutzer ohne jedes Gespür für die Umwelt. Eine gewisse Faszination üben diese Fahrer trotz allem auf mich aus. Einerseits, weil sie mich stets daran erinnern, warum Waffen zu Recht nicht frei zugänglich sind und andererseits, weil auf allen Kommunikationskanälen die das 3.Jahrtausend zu bieten hat,  permanent auf das Rechtsfahrgebot hingewiesen wird und diese Fahrer es trotzdem schaffen die rechte Spur als exklusive Schwerlastpiste zu betrachten. Bisweilen ertappe ich mich dabei zu kontrollieren, ob in diesen Autos überhaupt Rückspiegel verbaut sind. Verstehen werde ich die Egomanen bundesbürgerlicher Freiheit jedenfalls nie. Solange ich die linke Spur für mich habe kann, ist da auch nicht weiter tragisch.

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From → Reisen, Sammelbecken

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