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Die wirklichen Grundlagen oder „Schatz, ich lern jetzt kochen“

22. Juli 2013

Inspiriert durch die Aussage eines Freundes widme ich mich heute mal den wirklichen Grundlagen. Sozusagen dem Fundament oder besser noch, der Baugrube des Kochens.

Bei dem Einen oder Anderen vergeht das Interesse an einem Rezept bereits bei dem Satz: „Kartoffeln kochen“. Gerade einmal zwei Worte, die bei einem Anfänger die selben synaptischen Kurzschlüsse hervorrufen wie die Jauch’sche Millionenfrage oder die Theorie der Quantenmechanik. Dabei ist die Zubereitung der typischen Salzkartoffel deutlich einfacher als die Frage nach dem Nagel-Schreckenberg-Modell.

Im Gegensatz zu so manchem „Lebensmittel“ wird so ein Beutel Kartoffeln nicht mit einer Anleitung geliefert. Dröseln wir das Ganze doch in einzelne Schritte auf:

1. Häuten und freilegen des Objekts der Begierde

Da die Kartoffel in der Regel mit mehr oder weniger vielen Anteilen an der Soester Börde geliefert wird, ist der erste Arbeitsgang das Schälen. Vereinfacht wird dies durch einen Sparschäler, welcher in jedem gute sortierte Haushalt vorhanden sein sollte.  Falls nicht, hilft der örtliche Supermarkt gerne beim Erwerb eines solchen. Die Funktion eines Sparschälers ist für die meisten Mensche selbsterklärend. Für die anderen gibt es den Lieferservice der Pizzeria. Als Warnhinweis nur soviel: Ziel ist es, die Kartoffel von ihrer Schale und nicht die Finger von ihrer Haut zu befreien. Letzteres wäre mit Schmerz verbunden und gibt dem Essen eine ungewollte Farbe.

schäler

2. Luft ist doof

Da geschälte Kartoffeln die unangenehme Angewohnheit haben braun zu werden, schicken wir sie direkt nach dem häuten bis zur weiteren Verarbeitung in ein kühles Bad.

geschält

3. Size does matter (Die Größe macht den Unterschied)

In der EU ist so ziemlich alles genormt. Sogar der Bananen sollen den richtigen Krümmungswinkel haben. Ungeregelt indes ist die Größe bäuerlicher Hackfruchtprodukte. Um dem Wildwuchs unterschiedlicher Garzeiten Einhalt zu gebieten (komme ich noch zu), greifen wir zu einem Schnittwerkzeug Solinger Herkunft und bringen die geschälten Kartoffeln auf annähernd gleiche Größe.

Zu diesem Schritt noch zwei Hinweise:

a)    eine Abweichung von 50% ist unkritisch

b)   die Größe bestimmt die Garzeit

Nachdem alle Stücke angefertigt sind wird zur finalen Reinigung geschritten und das Wasser gewechselt.

stücke

4. Ohne Glutamat und doch geschmacksverstärkt

Kartoffeln haben einen eher schwachen kartoffeligen Geschmack. Mit dem natürlichen Geschmacksverstärker Natriumchlorid (besser bekannt unter dem Handelsnamen „Salz“) können wir diesem Mangel Abhilfe schaffen. Über die Menge entscheidet schlussendlich der eigene Geschmack oder der Grad des emotionalen Ausnahmezustandes.

Salzen

5. Auch dich kriegen wir weich

Kommen wir jetzt zum Thema Garzeiten. Meistens schneide ich die Kartoffeln auf eine Größe von ca. 3x3x1cm. Für meinen Geschmack sind sie dadurch nach 20 Minuten brauchbar. Es gibt auch einen einfachen Trick, die Festigkeit oder in diesem Fall die Weichheit zu prüfen. Einfach ein Stück aus dem Topf nehmen und mit der Gabel zerdrücken. Muss ich dafür so stark wie der Seewolf sein, sollten sie noch eine ganze Weile kochen. A propos kochen: Die Viertelstunde startet wenn das Wasser kocht. Also so richtig kocht!

Wer lieber ganze Kartoffeln mag, sollte drauf achten, möglichst gleichgroße Kartoffeln zu wählen. Bei faustgroßen Exemplaren verlängert sich die Zeit auf gut und gerne 30 – 35 Minuten.

6. Wasser marsch

Haben die Kartoffeln die gewünschte Konsistenz erreicht, hat das Wasser seine Schuldigkeit getan und darf dem Kreislauf des Lebens wieder zugeführt werden.

Zwei Methoden haben sich dabei als effektiv erwiesen:

a)    Topfinhalt in ein entsprechend großes Sieb schütten. (Ein Sieb ist eine Schüssel mit ganz, ganz vielen Löchern drin. Wobei die Löcher natürlich kleiner sein sollten als die kleinste Kartoffel groß ist. Klingt komisch, ergibt aber Sinn!)

b)   Abschütten. Diese Technik erfordert Mut, Koordination, einen Topfdeckel und ein Trockentuch. Einfach den Deckel leicht schräg auf den Topf aufsetzen und das zu einer Krawatte gefaltete Trockentuch so über den Deckel legen, dass man damit den Deckel festklemmt, während man den Topf an den Griffen anfasst. Dann das Wasser durch den Spalt ausgießen.

Kurzanleitung

–       Topf mit Wasser füllen

–       Kartoffeln schälen

–       Kartoffeln kleinschneiden

–       Stücke waschen und Wasser wechseln

–       Salzen

–       Kochen (ca. 20 Minuten, je kleiner die Stücke, desto kürzer die Zeit)

–       Abschütten

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From → Essen

2 Kommentare
  1. Stefan Schröder permalink

    Super geschrieben, da liest man gerne weiter.

    Gefällt mir

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